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Nach dem Lockdown: Feiertags- und Stammtischtour

Was würde wohl Hagen von Tronje heute als fahrbaren Untersatz bewegen, die Frage ist zwar hochspekulativ aber trotzdem interessant, vielleicht einen Hummer, jenes breite Monsterfahrzeug  aus dem Hause General Motors? Auf jeden Fall aber einen großen schwarzen SUV mit dunkel getönten Scheiben und mattierten Blinkern. Und was bewegt der strahlende blonde Held, womanizing Siegfried, vielleicht einen offenen F-Type Jaguar in kräftigem Rot oder doch eher ein großes, schnelles Motorrad?

 

Wir wissen es nicht, doch merkt der geneigte und gebildete Leser, dass wir uns im Odenwald befinden, im Jagdrevier des frühmittelalterlichen Burgundenreiches, wie es uns in der Nibelungensage beschrieben wird, wo unsere spontan geplante und kurzfristig angesetzte Frühjahrsausfahrt am Stadtrand von Groß-Umstadt startete.

 

Die üblen, pandemischen Zeiten zwangen uns alle über Monate zur Zurückhaltung bei zwischenmenschlichen Kontakten und Enthaltsamkeit bei kulturellen Veranstaltungen, Restaurantbesuchen und eben auch Jaguar-Ausfahrten, wobei dies alles, sind wir ehrlich, im Lichte von geschlossener Gastronomie und Einzelhandel, Lockdown in vielen weiteren Wirtschaftsbereichen und damit zahlreicher Menschen die Ängste um ihre Existenz und ihr wirtschaftliches Überleben haben, schlicht Luxusprobleme sind, da kann jeder der davon nicht unmittelbar betroffen ist nur demütig und dankbar sein!

 

Und doch sehnt sich der Jaguarfreund, nach langen Monaten in denen nur Fahrten mit der Partnerin und dem eigenen Fahrzeug machbar waren danach, dass endlich wieder Touren in größeren Gruppen möglich sind - ein Mindestmaß an Normalität.

Die Individualtouren wurden allerdings sehr gut dazu genutzt, mit viel Neugier und Entdeckergeist und einer guten Online-Karte auf dem Bildschirm, die detailreich alle Kurven und Spitzkehren der kleinen Landstraßen in den Mittelgebirgen des Rhein-Main-Gebietes zeigt, neue Strecken im Nahbereich der Großstadt zu finden.

 

Endlich sanken die Insidenzwerte soweit, dass Treffen in größeren Gruppen unter freiem Himmel, mit dem nötigen Abstand und Hygienekonzept möglich wurden, weshalb die Organisatoren der für den Fronleichnamstag zunächst als Individualtour mit 2 Fahrzeugen geplanten Ausfahrt entschieden, über unseren Sektionsleiter, Rüdiger Bonneß, ein zwar etwas kurzfristiges (1 Woche Vorlaufzeit) Angebot an die Sektion und damit eine offizielle JAG-Ausfahrt daraus zu machen und da am Abend des Feiertags auch der erste richtige Stammtisch im Außenbereich des Wildhofs bei Heusenstamm, unseres Stammtischlokals, wieder stattfinden konnte, war auch die Schlusseinkehr bestens geregelt.

 

Die 15 Startplätze waren schnell vergeben, das Bedürfnis endlich wieder on tour zu gehen war groß, und so trafen sich dann die Fahrzeuge und ihre Mannschaften am späten Vormittag des Feiertags
-  03.06. -  auf einem Parkplatz bei Groß-Umstadt. Das Spektrum der beteiligten Jaguarmodelle war wieder einmal recht breit, wobei, da das Wetter sich von seiner besten Seite zeigte, der Anteil der offenen Fahrzeuge - E-Type, XJS, XK 8, XK, F-Type - die Mehrheit bildete.

 

Die Wiedersehensfreude nach langen Monaten war groß, die Begrüßungen, auf Abstand, herzlich und da Inge Burmeister neue Namensbuttons hat produzieren lassen, die sie nun an alle Teilnehmer verteilte, war die Stimmung prächtig - danke Inge -  und nach kurzer offizieller Ansage ging es endlich los. Das eigentliche Ziel sollte die höchste Erhebung des Odenwaldes, der Katzenbuckel (630 m) bei Eberbach sein, doch eine Vortour dorthin zeigte, dass der dortige Parkplatz an einem solchen Tag bei schönem Wetter und an einem Feiertag überbelegt ist, weshalb alternativ der Parkplatz der „Katzenbuckel-Therme“, ein Ort weiter angefahren wurde, zudem es in der großzügigen Grünanlage der Therme einen überdachten Bereich gibt, in dem und drum herum sich die Teilnehmer auf eigenen Campingstühlen und vorhandenen Sitzgruppen niederlassen und die mitgebrachten Picknickkörbe auspacken konnten.

 

Doch zunächst starteten wir in Groß-Umstadt, ließen alsbald den idyllischen Ort mit seinen die Odenwälder Weininsel bildenden Weinbergen hinter uns, durchfuhren das archaisch enge, wie aus der Zeit gefallen wirkende Raibach und schwangen uns über einige wunderbare Spitzkehren, vorbei an Dorndiel und Wald-Amorbach nach Hainstadt. Als erstes Fahrzeug in der Gruppe war es ein Genuss die folgenden Fahrzeuge im Rückspiegel zu beobachten und eigentlich wäre es notwendig gewesen einen Fotografen zu engagieren, der die Abfolge automobiler Highlights direkt an der Strecke fotografisch hätte einfangen müssen.

 

Unterhalb der Burg Breuberg, die den Nordeingang in den eigentlichen Odenwald bewacht, ging es hinein ins Labyrinth der kleinen Sträßchen, dabei immer wieder durch kleinste Örtchen, aber alle proper aufgestellt. Da fragt sich der Jaguar fahrende und Großstadt affine Zeitgenosse dann doch ganz naiv und ohne die vermutete Arroganz: „Wer um Gottes Willen lebt hier ganzjährig und investiert sein mühsam erworbenes Geld in dieser Einöde“, klar, den Großstadtmenschen freut es, dass es hier so wohlgeordnet und sauber aussieht, zum Durchfahren und sich dran erfreuen reicht es, aber für sich selbst hier zu leben, unvorstellbar, dass aber ist das Schöne an der freien Gesellschaft die wir haben, dass jeder/jede so leben kann wie er/sie es möchte und wie es möglich ist.

 

Und dann die bei den einsamen Individualtouren entdeckten Sträßchen, die jetzt den Mitfahrenden vorgestellt wurden. Bisher war davon auszugehen, dass es solche Sträßchen nur im fernen deutschen Osten gibt, Osterzgebirge, aber nein, weit gefehlt, es gibt sie mitten in der Metropolregion Rhein-Main/Rhein-Neckar. Einfach mal die bereits erwähnte Strecke von Groß-Umstadt kommend durch Raibach nach Hainstadt fahren oder weiter, von Breitenbrunn, vorbei an Vielbrunn zum Jagdschloss Eulbach der Herren von Erbach-Erbach, mit seinem barocken Landschaftspark, und dann wird es erst richtig spannend: Nehmen Sie Ihren Jaguar und lenken Sie diesen von der B 47, kurz hinter Eulbach, auf der K 45 Richtung und durch das elend lange Würzberg. Am Ende dieses Ortes lohnt sich der Abstecher zum gut beschilderten Römerbad, ein Numeruskastell am Odenwaldlimes von dem zwar nur kaum sichtbare Fragmente übrig geblieben sind, doch das nahebei liegende Bad dieses Kastells ist in seinen Grundmauern noch gut zu erkennen und erläuternde Tafeln zeigen das hohe Maß an römischer Badekultur und damit die Hygiene die hier bereits vor rund 1800 Jahren herrschte und was davon im Mittelalter, wo es immerhin zwar noch Bader und Feldscher gab, übrig blieb, wobei der Übergang vom Reinigungs- und Entspannungsbad zu Medizin und Zahnheilkunde damals fließend war.

 

Doch jetzt weiter entlang der unglaublichen Sträßchen, konkret von Breitenbuch hinunter ins tiefe Tal des Waldbachs, nomen est omen, nach Watterbach. Rechtsseitig per Leitplanke gegen den Abgrund gesichert, kurvenreich, und das alles zumeist einspurig mit Ausweichen, so stellt man sich Sträßchen bei einer solchen Ausfahrt vor! Und die Einheimischen heizen auf Teufel komm raus im Gegenverkehr bergauf, aber auch das gehört zu solchen Ausfahrten ins Unbekannte!

 

Schließlich ist bei Kailbach das Tal des Itterbachs erreicht, wo wir auf die Odenwaldbahn von Darmstadt nach Eberbach am Neckar stoßen, eine das Mittelgebirge durchmessende, heute noch - modernisiert - ganz wichtige Bahnlinie, entstanden im goldenen Bahnzeitalter, Ende des 19. Jhrds. und hier erscheinen, bei genauer Betrachtung, einige wichtige Kunstbauwerke dieser Bahnlinie, zum Beispiel das Haintalviadukt, kleinere Schwester des großen ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Himbächelviadukts bei Beerfelden-Hetzbach, von 1882.

 

Bei Gaimühle verlassen wir die Itterbach-Talstraße, unterqueren die Odenwaldbahn und richtig eng geht es zunächst über 2 Kehren via Antonslust steil hinauf nach Waldkatzenbach. Den 416-PS-XK hier, wenn auch in Maßen, ein wenig bergauf zu fordern, was mit belästigtem Brummeln und reichlich Vortrieb beantwortet wird, die reine Freude des Jaguartreibers.

Weiter über Waldkatzenbach ist bald der vorbeschriebene Parkplatz an der Katzenkopftherme bei Waldbrunn-Strümpfelbrunn erreicht, wo die Jaguargruppe, wie oben beschrieben, eine Auszeit nahm.

 

Wenn man beim Betrachten der entspannt gelagerten Jaguarfreunde etwas die Realität vergisst, hat das einen Anhauch von Édouard Manets Gemälde „Das Frühstück im Grünen“, nur dass im Gegensatz zum Originalbild die anwesenden Damen bekleidet blieben.

 

Unser Sektionsleiter Rüdiger, der durch einen individuellen Termin gehindert war der Tour von Anfang an zu folgen, erreichte uns schließlich, nach zahlreichen Irrrungen und Wirrungen, endlich auch und wurde mit entsprechend großem Hallo empfangen und brachte, für Inge Burmeister und den Organisator der Ausfahrt und Autor dieser Zeilen, als Dank je einen massiven Jaguarschlüsselanhänger in Form einer Tankuhr mit, herzlichen Dank dafür.

Schließlich ging es über breite Land- und Bundesstraßen, weiterhin landschaftlich sehr schön, via Mudau, Amorbach, Miltenberg, entlang des im Volksmund sogenannten „langen Handtuchs“, der mainbegleitenden Schnellstraße von Miltenberg Richtung Aschaffenburg, zu unserer Schlusseinkehr beim Stammtisch im Wildhof, wo wir weitere Mitglieder unserer Sektion nach langer Zeit herzlich begrüßen konnten.

 

Für das Ende des Stammtischs, aber auch für seine Bekrönung, bevor es uns in diesen Zeiten zu wohl oder zu normal wurde, sorgte am späteren Abend dann ein heftiger Gewitterregen, dessen grummelnder Donner entfernt an den XKR erinnerte, weshalb diese Wetterlage zum Schluss dieses wunderbaren Tages als nicht ganz unsympathisch empfunden wurde, zudem der frisch eingesäte Rasen im heimischen Garten ebenfalls davon partizipierte.

Text: Albrecht Reinhard
Fotos: Albrecht Reinhard, Rüdiger Bonneß


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